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Suizid / Selbstmord
Inhaltsübersicht:
Quellangabe: Michel Heinrich Stuttgart 1996; Selbstmordforum.de
Allgemeines
Der Suizid ist keine Krankheit, aber oft Abschluß einer krankhaften Entwicklung; in jedem Fall Ausdruck einer äußeren oder inneren Not. Zur Beseitigung dieser Not sollte der Versuch einer Hilfe, einer Suizidprävention, unternommen werden.
Die Fortschritte der Medizin und Psychologie können allein keine Senkung der Suizidrate ermöglichen. Die von daher kommenden Hilfen können effektiver gestaltet werden durch verbesserte Koordination und Kooperation entsprechend den Forderungen der Psychiatrie-Enquête und der Expertenkommission der Bundesregierung. Sie sind auch Voraussetzung für weitere Spezialisierungen. 80 % der Suizide waren vorangekündigt. Also müssen alle Ankündigungen ernst genommen werden. Die Wiederholungsgefahr ist groß; 10 % sterben später an einem weiteren Suizidversuch. Deshalb muß die Prophylaxe nach einem Suizidversuch sehr eingehend betrieben werden. Der Fürsorge der Hinterbliebenen muß besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden. Allgemeine Voruntersuchungen mit Hilfe von Tests und anderen Meßinstrumenten bringen keine Gewißheit über die Suizidgefährdung des einzelnen. Wir sind bei der Abschätzung der Suizidalität auch in Kenntnis der Suizid-Theorien auf unsere allgemeine Wahrnehmungsfähigkeit in der intersubjektiven Situation angewiesen. Zwischen Anlaß, Motiv und Ursache ist zu unterscheiden. Es ist nicht gut, sich bei dem Anlaß aufzuhalten oder sich mit dem Motiv, das die Umwelt mitteilt, zufrieden zu geben. Die Ursache kann in einer psychischen oder körperlichen Krankheit, einer Kommunikationsstörung, einer sozialen Behinderung liegen. Der Suizidalität liegt eine Ambivalenz zwischen Leben und Tod zugrunde, und zwar in dem Sinn, daß der Suizident sich außerstande fühlt, in der bisherigen Weise weiterzuleben. Nach Ansprechen der Ambivalenz sollte herausgearbeitet werden, wie der Betroffene anders weiterleben kann. Häufig wird nur eine Lebenspause gesucht. Die Herausnahme aus dem Krisenfeld und der Konfliktsituation ist ein hilfreicher Akt. Der Betreuer sollte darauf achten, daß eine solcherweise entstehende Pause nicht zur Langeweile ausartet, sondern ohne Druck produktiv genutzt wird. Der Suizidversuch hat in der Biographie des Menschen seinen Stellenwert, der ausfindig gemacht werden sollte. Hilfreich ist es auch, die bisherigen Konfliktlösungsstrategien des Betroffenen ihm selbst erkenntlich werden zu lassen. Dazu gehören Weglaufen, Flucht in Tagträume, in pseudoharmonische Welten, Fixierung an körperliche und seelische Mißbefindlichkeiten. Der Gefährdete braucht wenigstens für einen Augenblick unsere volle Aufmerksamkeit. Entsprechend kann er nicht einfach an einen Spezialisten weiterverwiesen werden. Es muß vielmehr mit dem nächsten Betreuer oder Spezialisten eine genaue Terminierung durch den Gefährdeten selbst oder in seinem Beisein getroffen werden. Die Zuverlässigkeit des Helfers in seiner Zuwendungsbereitschaft ist sehr wichtig wegen der häufig zugrundeliegenden Kommunikationsstörung und Unfähigkeit zur kontinuierlichen Beziehungsnahme. Ein Wechsel der Bezugspersonen, der Helfer, der Wohnungen, der Arbeit etc. sind dringend zu vermeiden. Kinder dürfen nicht von einem Heim ins andere verlegt werden. Daß wir von Suizidversuchen meistens überrascht werden, liegt auch daran, daß unsere Wahrnehmung durch eigene Ambivalenz und Angst gehemmt ist. Die Suizidankündigung darf uns nicht in Angst versetzen. Wir dürfen uns nicht bannen lassen, nicht kopflos werden. Wir müssen den Menschen auch in seiner Entscheidungsfähigkeit und damit in seiner Entscheidung zum Suizid ernst nehmen. Der Helfer kann allerdings fordern, daß er selbst ernst genommen wird. Rettung um jeden Preis heißt, den Wert, den der Suizident im Suizid sieht, nicht ernst zu nehmen. Selbstwertminderung ist suizidfördernd. Deshalb zielt die Suizidverhütung auf Werterhaltung, Selbstwertstärkung, Entdeckung neuer Werte. Suizidenten sind in ihrer Ambivalenz außerordentlich leicht kränkbar. Die Kränkbarkeit sollte angesprochen werden. Es ist aber unmöglich, jede Kränkung vom Betroffenen fernzuhalten. Manche Kränkung ist eine irreale, vom Gefährdeten auf den Helfer projizierte. Enttäuschungen führen zu Kränkungsgefühlen. Depression (traurig, verzweifelte Stimmung, Ängstlichkeit, Verlangsamung im Denken und Handeln, Negativismus, Druck auf der Brust und andere körperliche Beschwerden) geht häufig mit Suizidalität einher. Sie sollte unbedingt vom Facharzt für Psychiatrie diagnostiziert und behandelt werden. In der Depression werden aggressive Regungen unterdrückt. Durch Ansprechen von Enttäuschungen, Kränkungen und Selbstwertminderungen werden Aggressionen manchmal freigesetzt. Soweit sie nicht destruktiv wirken, sollte der Helfer sie aushalten können. Dazu ist es wichtig, Freiräume zum Ausagieren zu schaffen und körperliche Bewegungsfreiheit nicht einzuengen. Jemanden in einem verschlossenen Raum zu halten oder sich ihm als Helfer aufzudrängen, bedeutet Erhöhung der aggressiven und selbstzerstörerischen Impulse. Entsprechend ist es wichtig, größere Wohnungen, größere Bewegungsräume, Spielplätze, Begegnungsstätten, Erlebnismöglichkeiten zu schaffen. Der Gefährdete sollte Gelegenheit haben, sich seine Bezugspersonen aus eigenem Antrieb zu suchen. Er sollte nicht auf eine einzige Person angewiesen bleiben. Gefühle sind wertvoll, gezeigt zu werden. Ungewohnte Erlebens-, Wahrnehmungs- und Gefühlsweisen des Suizidenten dürfen nicht entwertet werden. Gegebenenfalls einen Fachmann zu Rate ziehen. Isolierung und Einsamkeit erhöhen die Suizidgefahr. Die Begleitung sollte dem Gefährdeten ausreichend Distanz lassen. Durch die Hilfe darf nicht eine neue Abhängigkeit entstehen: In der Nähe bleiben; kleinste Verabredungen ermöglichen; nicht weggehen, ohne den weiteren Verlauf festgelegt zu haben; keine stundenlangen Diskussionen; Gesprächspausen einlegen; keine Beratung über 50 Minuten hinaus. Fordert der Gefährdete längere Zuwendung, so genügt reines Zuhören wie in der Telefonseelsorge. Es ist sehr hilfreich, die eigene Reaktion auf den Suizidgefährdeten zu vermerken; Wut, Ohnmacht, Liebe auf Realität hin zu überprüfen; eigene Ambivalenz gegenüber dem Leben und der Suizidalität zu reflektieren.
Quelle: Michel Heinrich Stuttgart 1996
Richtig & Falsch
Falsch: Wer vom Suizid redet, wird ihn nicht begehen.
Richtig: Auf zehn Suizidenten kommen acht, die unmißverständlich von ihren Absichten gesprochen haben. Falsch: Suizid geschieht ohne Vorzeichen. Richtig: Viele Beobachtungen lehren, daß Menschen, die sich das Leben nehmen, dies meist durch unmißverständliche Zeichen oder Handlungen ankündigen. Falsch: Wer Suizid begeht, will sich nicht unbedingt das Leben nehmen. Richtig: Die meisten Menschen, die an Selbsttötung denken, schwanken zwischen dem Wunsch zu leben und dem zu sterben; sie „spielen mit dem Tod", und sie überlassen es den anderen, sie zu retten. Kaum einer nimmt sich das Leben, ohne seine Gefühle einem anderen zu offenbaren. Falsch: Wer einmal zum Suizid neigt, wird es immer wieder tun. Richtig: Lebensmüde haben nur während einer begrenzten Zeit ihres Lebens den Wunsch, sich zu töten. Falsch: Besserung nach einer suizidalen Krise bedeutet das Aufhören des Risikos. Richtig: Die meisten Suizide geschahen in den drei Monaten nach beginnender „Besserung", wenn der Patient von neuem die Energie hat, selbstzerstörerische Entschlüsse auszuführen. Falsch: Suizid gibt es öfter bei den Reichen oder – umgekehrt – fast ausschließlich bei den Armen. Richtig: Suizid ist weder das Problem der Reichen, noch die Plage der Armen. Er ist sehr „demokratisch" und kommt in allen Bevölkerungsschichten vor. Falsch: Suizid ist erblich oder ein „Familienübel". Richtig: Er ist nicht erblich, sondern eine individuelle Erscheinung. Richtig: Alle, die Suizid begehen oder begehen wollen, sind geisteskrank, jeder Suizid ist die Handlung eines Psychotikers.
Richtig: Es ergibt sich aus dem Studium von Hunderten von letzten Aufzeichnungen, daß der suizidale Mensch zwar äußerst unglücklich, aber nicht notwendigerweise geistesgestört ist.
Behandlung und Therapie
Die Behandlung bzw. die Therapie stellt ein sehr komplexes Thema dar, denn es müssen einige Komponenten ineinander greifen um von einer guten oder richtigen Therapie zu sprechen.
Die Behandlung beginnt im eigentlichen Sinne mit der “Einsicht krank“ zu sein. Ohne dieser Einsicht geht gar nichts. Da kann sich der Therapeut den Mund fransig reden, der Erfolg wird bei null stehen bleiben. Diese fehlende Einsicht ist meist auch der Grund dafür, warum der Depressive so unendlich lange wartet bis er endlich einmal zu einem Neurologen geht. Dafür dürfte sich auch noch die veraltete Anschauung - Depressive (Nervenkranke) sind geisteskrank - verantwortlich zeigen. Um es ganz klar zu sagen: Der Depressive ist weder Verrückt noch wird er es. Es ist zwar unumstritten, daß sich sehr viele Depressive manchmal einbilden verrückt zu werden, aber ich kann Sie beruhigen. Wenn die Depression vollkommen abgeklungen ist, dann setzt der Genesene genau dort wieder an wo er durch die Depression aus der Bahn geworfen wurde. Es bleibt nichts zurück, da ja im eigentlichen Sinne ja auch gar nichts da war. Dies wird dem Kranken leider Gottes viel zu selten gesagt, wenn überhaupt. Es ist jedoch für den Depressiven ein sehr wichtiger Aspekt, den man nicht oft genug wiederholen kann. Nach der Einsicht kommt aber noch die „Akzeptanz“ dazu. Der Betroffene muß es auch noch akzeptieren, daß er Depressionen hat. Das ist auch so ein Thema, denn wer akzeptiert es schon gerne eine etwas amurös angehauchte Krankheit zu haben. Schließlich kann jedem alles passieren, nur nicht mir. Das ist ein sehr weit verbreiteter Anschauungspunkt. Das menschliche Umfeld trägt natürlich ebenfalls das seine dazu bei die Einsicht und die Akzeptanz zu untergraben. „Du mußt dich nur zusammenreißen“, „mit dem nötigen Willen geht alles“ oder „das schaffst du schon• sind solche Standardsätze mit denen einem die anderen verunsichern. Ich kann es Ihnen klipp und klar sagen: “Weder das Zusammenreißen noch der nötige Wille sind dazu angetan, einen aus seinem Loch herauszuhelfen•. Da hilft nur ein gezielter Eingriff in Form von Eigeninitiative. Nur wer die Initiative ergreift und zum Facharzt geht bekommt eine Chance, der Depression zu entfliehen. Der Facharzt muß den Ablauf der Behandlung koordinieren. Er muß für die unterstützenden Medikamente, die meist erforderliche Psychotherapie und die ebenfalls oft erforderliche psychosomatische Kur sorgen. Der Neurologe muß Ihnen den richtigen Weg aufzeigen, den Sie gehen müssen. Wer schon einige Selbsthilfebücher zum Thema gelesen hat und damit keine Erfolge erzielen konnte, der weiß es ganz genau und hat es vielleicht selbst auch schon gesagt: Alles was die schreiben ist Mist. Es werden viele Ratschläge gegeben und diese wiederum durch unzählige Fallbeispiele untermauert. Aber genau hier liegt der große Schwachpunkt bei all diesen sogenannten Selbsthilfebüchern. Um die Auflagenzahl zu erhöhen werden diese Fallbeispiele immer so dargestellt, daß der Leser den Eindruck gewinnen muß, daß die Krankheit innerhalb der kürzesten Zeit zu überwinden ist. Nicht selten steht in so einem Beispiel, daß der Betroffene über nacht ein anderes Leben führen konnte und somit gesund war. Da ist es gar nicht verwunderlich, wenn der Leser, dem das niemals passieren wird, von all diesen Theorien die Nase voll hat und nicht mehr daran glaubt. Ich will es Ihnen klipp und klar sagen: Die Behandlung einer Depression ist eine langwierige Sache. Das kann nicht von heute auf morgen geschehen. Bedenken Sie dabei was ich schon weiter oben erwähnt habe. Die Depression ist die Sammlung der im gesamten Leben erhaltenen Schläge. Diese Sammlung hat sich natürlich im Laufe des Lebens manifestiert und ist sogar teilweise zur Gewohnheit übergegangen. So einen Gewöhnungseffekt kann ich nicht von heute auf morgen eliminieren und durch ein neues Gedankengut ersetzen. Das braucht seine Zeit. Und genau diese Zeit muß sich jeder Depressive nehmen, sonst hat er so gut wie keine Chance. Da es sich wie gesagt um eine langwierige Krankheit handelt, muß natürlich den gesamten Ablauf jemand koordinieren und überwachen. Dies ist ganz eindeutig die Aufgabe des Neurologen. Dazu müssen Sie natürlich einen guten Neurologen haben, der sich auch um seine Patienten bemüht und nicht nur sein eigenes finanzielles Wohl im Auge hat. Auf dieses Thema gehe ich im Abschnitt „Die richtige Arztwahl“ ein. Zu Beginn der Behandlung steht die medikamentöse Therapie. Rein theoretisch könnte zwar auf Antidepressiva verzichtet werden, denn sie tragen in keiner Weise zur Genesung bei. Der wesentliche Aspekt bei den Medikamenten: Sie erleichtern einem die momentane Situation erheblich und deshalb steht der medikamentösen Therapie nichts im Wege und ist eine sinnvolle Ergänzung auf die man nicht verzichten sollte. Bei diesen Medikamenten tritt die erste spürbare Wirkung meist erst nach ca. zwei bis vier Wochen ein. Der Grund - es muß sich erst eine gewisse Menge des Wirkstoffes im Körper aufbauen. Das wichtigste einer Depressionsbehandlung ist eindeutig das Gespräch. Dabei spielt es keine Rolle ob Sie als Gesprächspartner nun den Neurologen, den Psychotherapeuten oder eine x-beliebige Person haben. Der Gesprächspartner muß für Ihre Situation Verständnis haben. Verwechseln Sie dies bitte nicht mit „Mitleid“. Mitleid bedeutet nichts anderes als „Mit-leiden“ und davon haben Sie nicht das geringste. Wenn jemand mit Ihnen “Mit-leidet• drückt er das auch in seinem Gespräch aus und das wiederum bedeutet, daß er mit Ihnen mit jammert. Das ist das Letzte was Sie brauchen können, denn damit ziehen sie sich gegenseitig nur noch tiefer hinunter. Eine x-beliebige Person kann Sie im Regelfall allerdings nicht führen und Ihnen auch nicht den richtigen Weg zeigen. Deshalb sollten Sie keinesfalls auf einen Neurologen verzichten. Viele Depressive machen den gravierenden Fehler, daß sie zwar immer dann zum Arzt gehen, wenn es ihnen gerade mal nicht so gut geht. Sobald es ihnen aber etwas besser oder besonders schlecht geht sagen sie ihren Termin ab. Ich persönlich bin der Meinung, daß es gerade da am allerwichtigsten ist mit einem Fachmann zu sprechen. Wenn es mir besonders schlecht geht, brauche ich die meiste Hilfe. Wenn es mir etwas besser geht, bin ich für die Tips und Ratschläge des Neurologen am empfänglichsten, weil meine Gedanken durch kein schlechtes Befinden abgelenkt werden. Gehen Sie ruhig lieber einmal öfters zum Neurologen als einmal zu wenig. Aufgrund der vielen Patienten, die ein Neurologe zu betreuen hat, wird dieser in aller Regel nicht genügend Zeit zur Verfügung haben, die er eigentlich für Sie bräuchte. Deshalb sollten Sie bei Zeiten wegen einer Psychotherapie mit Ihrem Neurologen sprechen. Dieser wird dann, sobald er die Zeit fürgekommen hält eine Psychotherapie befürworten. Hier gilt es nämlich zu beachten, daß es in bestimmten Zuständen zu früh aber auch genau so gut zu spät sein kann. Im Gespräch mit dem Fachmann gibt es natürlich einige Regeln die Sie unter allen Umständen beachten sollten. Wenn Sie diese nicht oder nur teilweise beachten, kann Sie der Arzt auch nicht richtig Therapieren. Ein Fehler, den ich bei so gut wie allen Gesprächen mit Depressiven mitbekommen habe, war es daß alle bei ihren Gesprächen geschönt haben. Mit geschönt meine ich, daß sie nicht die ganze Wahrheit gesagt haben. Sie stellten ihren momentanen Zustand meist in einem etwas besseren Licht dar als es eigentlich war. Die wichtigste Grundregel für den Depressiven muß es sein, daß er generell bei der vollen Wahrheit bleibt, auch wenn es ihm noch so schwer fallen sollte. Bei seiner Schönerei umtraut es der Patient nicht, daß er den Arzt auf eine falsche Fährte lockt und dieser dann unwissend einen falschen Behandlungsweg einschlagen muß. Wenn Ihnen der Fuß weh tut dann sagen Sie zu Ihrem Hausarzt ja auch nicht, daß Ihnen der Arm Beschwerden bereitet. Darum, reden Sie frei von der Leber weg. Denken Sie dabei gar nicht erst lange nach. Sagen Sie Ihrem Arzt was Sie bedrückt, was Sie belastet und was Ihnen momentan die meisten Beschwerden bereitet. Etwas verschweigen ist auch nicht des Pudels Kern. Sicherlich gibt es einige Punkte im Leben über die Sie nicht gerne sprechen, bzw. nicht mit jedem. Zum Beispiel in sexuellen Bereichen sind solche Punkte zu finden (Mißbrauch). Sie haben nur die Möglichkeit alles zu sagen, denn wenn ausgerechnet der verschwiegene Punkt, Ihr größtes Problem ist, nutzt es Ihnen wenig wenn Sie alle anderen erwähnen. Wenn Sie Ihrem Arzt etwas nicht sagen können, dann nur weil Sie nicht genügend Vertrauen zu ihm haben und weil Sie sich vermutlich, selbst immer wieder suggeriert haben, daß Sie über dieses Thema nicht sprechen können. Wenn es am Vertrauen liegt, dann sollten Sie sich einen anderen Arzt suchen, oder Sie arbeiten daran, daß Sie ihm Vertrauen können. Vor allem wenn Sie einen guten Arzt haben sollten sie daran arbeiten. Ein Tip am Rande: Notieren Sie sich die Fragen, die zwischen den Terminen auftauchen, auf einen kleinen Zettel. Gehen Sie dann diese Notizen beim nächsten Termin als erstes durch. Nur so können Sie sicherstellen, daß Sie auch die nötigen Antworten bekommen. Bei den meisten mir bekannten Depressiven lief es meist so ab, daß sie zwar einige Fragen im Kopf hatten die in der Zeit zwischen den Terminen aufgetaucht sind, aber dann beim Gespräch entweder nicht mehr daran gedacht haben oder sie glaubten, daß im Laufe des Gespräches noch eine bessere Gelegenheit für die Frage kommt. Meist hat sie sich nicht mehr ergeben. Erst ein paar Meter von der Praxis weg, fiel einem dann siedendheiß ein, daß man noch dies oder jenes fragen wollte. Regel Nummer zwei: Denken Sie nicht lange darüber nach, was Sie beim nächsten Termin zu Ihrem Arzt sagen wollen. Das einzig Vorbereitete sollten Ihre aufgetauchten Fragen sein. Alles andere sollte zum entsprechendem Zeitpunkt aus Ihrem „Inneren“ kommen. All das vorbereitete kann zum Zeitpunkt des Gespräches gar nicht wichtig sein, da man genug andere wichtigere Punkte in sich trägt. Das Problem vom Montag ist am Freitag nicht so aktuell wie das vom Donnerstag. Dasbedeutet für Sie, daß Sie immer das Aktuellste Problem als erstes ansprechen sollten und dann der Reihe nach zurück gehen sollten. Eine weitere Regel, die es zu beachten gilt ist es, daß Sie auf alle Fälle über das nachdenken sollten was Ihnen der Fachmann sagt. Es kann nicht damit abgetan sein, daß Sie in der Sprechstunde an den Lippen Ihres Arztes hängen und nachher ist alles vorbei und vergessen. Sie müssen sich mit den Themen auseinandersetzen, die Sie mit Ihrem Arzt besprechen. Suchen Sie sich also nach dem Gespräch ein ruhiges Plätzchen und durchdenken Sie das gesagte von allen möglichen Seiten. Versuchen Sie, zu ergründen was Ihr Therapeut Ihnen mit seinen Worten sagen wollte. Auch wenn Ihr Arzt zu einem bestimmten Thema gar nichts sagt oder nicht darauf eingeht, sollten Sie sich Ihre Gedanken darüber machen. In der Regel will er etwas ganz bestimmtes bezwecken, wenn er auf ein Problem nicht eingeht. Er will Sie z.B. herausfordern und Sie so zu einer Reaktion animieren, ohne daß er es mit Worten ausdrückt. Das kann ein Test sein, um zu sehen wo Sie im Augenblick stehen. Auf alle Fälle ist es eine Aufforderung zum Nachdenken. Nur wenn Sie immer wieder darüber nachdenken können Sie für sich das meiste herausholen. Dazu gehört es natürlich auch, daß Sie die Ratschläge beherzigen. Regel vier: Lassen Sie sich niemals mit unbefriedigenden Antworten abspeisen. Das gilt nicht nur beim Arzt sondern im gesamten Leben. Viele begehen den Fehler und lassen sich mit “Halbheiten• abspeisen und anschließend haben sie ein zusätzliches Problem. Sie wissen mit der Antwort nichts anzufangen und müssen dann darüber nachgrübeln was gemeint sein könnte. Stellen Sie kurze, präzise Fragen und fragen Sie dann solange nach, bis Sie eine ausreichende Erklärung bekommen haben. Nur so können Sie sicher stellen, daß Sie eine richtige Antwort bekommen werden, die Ihnen keine weiteren Probleme aufwirft. Geraden beim Depressiven konnte ich diesen Fehler immer wieder feststellen, daß er sich mit der ersten Antwort zufrieden gab und im Nachhinein stellte er fest, daß er eigentlich gar keine Antwort auf seine wirkliche Frage bekommen hat. Daran sollten Sie arbeiten.
Jugendliche bewahren !
Wie Sie Jugendliche vor dem Selbstmord bewahren!
Abschätzen der Suizidgefahr: Signale erkennen
1999 suizidierten sich bundesweit rund 1400 Kinder und junge Erwachsene im Alter zwischen 10 und 29 Jahren. Davon waren 270 weiblichen- und 1130 männlichen Geschlechts. Allerdings unternehmen Frauen Schätzungen zufolge rund doppelt so häufig einen Suizidversuch wie Männer.
Alarmzeichen und Gefährdungsaspekte bei suizidalen jungen Menschen sind vielfältig. Besondere Gefährdungsaspekte sind bei jungen Menschen gegeben, wenn sie:
Tipps für das Verhalten in der Krisensituation
Es gibt kein generelles Konzept für den Umgang mit suizidalen Jugendlichen - jede suizidale Krise wird individuell er- und durchlebt. Einige Voraussetzungen helfen dabei, mit dem betroffenen Jugendlichen Kontakt herzustellen und die Krise zu bewältigen: Begeben Sie sich in "seine Welt", um an seiner Realitätssicht teilzuhaben Versuchen Sie zu verstehen, ohne mit allem einverstanden zu sein und gehen Sie so empathisch und akzeptierend wie möglich auf den Jugendlichen ein Sortieren Sie die erhaltenen Informationen, um einschätzen zu können, in welcher Situation sich der Jugendliche befindet Versuchen Sie, durch konkretes Nachfragen den Gefährdungsgrad abzuschätzen Vor einer Krisenintervention ist es sinnvoll, sich mit eigenen Gefühlen zum Thema Suizid auseinandergesetzt zu haben und eigene Ängste und Gefühle - wie Hilflosigkeit, Ohnmacht, Ärger, Wut und Schuldgefühle - wahrzunehmen. Während der Intervention ist es wichtig, mit diesen Gefühlen in Kontakt zu bleiben, sie auszusprechen und auch empfundene Angst um den anderen zu äußern.
Fehler, die die Situation verschärfen können
Um den Kontakt mit dem suizidalen Jugendlichen in der Krisensituation nicht zu gefährden, sollten Sie vermeiden:
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